Auswahl von Presseartikeln

Magisches Ruhrgebiet - WAZ KULTUR, 09.06.2007
Von Christian Stratmann

Ein geheimnisvolles Ruhrgebiet zwischen Vergangenheit und Zukunft zeigen mir die Bilder des Essener Malers und Fotografen Gerd Petermeyer. Der Lehrer an einem Stoppenberger Gymnasium, einst mein Klassenkamerad, ist keiner, der sich die farbgetreue Abbildung des Strukturwandels auf die Fahnen geschrieben hat. Seine großformatigen Bilder sind eine Verbeugung vor den Menschen und der Industriearchitektur alter Reviertage. Das Ruhrgebiet - für den gebürtigen Essener ist es „existentielle Heimat" und unbedingt malenswert. Ein Stahlwerk ist ihm malerischer und geheimnisvoller als ein modernes Rathaus. Seine Motive findet er in den kleinen Industriegebieten des nördlichen Reviers, zwischen Fördertürmen, Gleisen und zerfallenden Mauern. Petermeyer bezeichnet seinen Stil als „malerischen Realismus". Dabei treibt den 55-Jährigen kein historisches, sondern ein ästhetisches Interesse. Was
wie eine Fotografie aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als filigrane Ölmalerei in schwarz, weiß und abgestuften Grautönen. Durch die Reduktion der Farben wird der Naturalismus des Bildes aufgehoben. Die Abstraktion weckt Gefühle, verführt zum Träumen. Eine fast wehmütige Erinnerung an die Relikte einer untergegangenen Welt.

Christian Stratmann ist Prinzipal des Mondpalastes in Wanne-Eickel
 

NRZ, 18.04.97 zur Ausstellung im Europahaus, Essen

Das Revier und seine malerischen Seiten
Den Strukturwandel hat sich Gerd Petermeyer nicht gerade zum Vorbild genommen. Seine Bilder sind vielmehr eine Verbeugung vor der Industriearchitektur alter Reviertage. Zwischen Fördertürmen und Baukränen, Gleisanlagen und zerbröckelnden Mauern hat Petermeyer eine Motivwelt für sich entdeckt, die vom Marmor und Stahl neuer Sanierungstage allmählich verdrängt wird. Wobei das, was der Stoppenberger Pädagoge vom 18. bis 30. April in der 1. Etage des Europa-Hauses präsentiert, auf den ersten Blick nach Fotografie aussieht – und sich erst nach genauerem Hinsehen als filigrane Ölmalerei entpuppt: in schwarz, weiß und vielen abgestuften Grautönen, die den Arbeiten eine leichte Melancholie, eine fast wehmütige Erinnerung an die Relikte des alten Ruhrgebietes anhaften lässt. Mit „malerischem Realismus“ mag der Essener seinen Stil selber bezeichnen. Denn wenn auch Petermeyer seine Bildmotive vorher fotografiert – auf der Leinwand sieht man die Szenerien aus einer ganz anderen, ästhetischen Perspektive.
 

Ruhrwort, September 2002

Fotos dienen nur als Vorlage
Gerd Petermeyer: Als Maler ist der Stoppenberger Lehrer ein Pedant

Er sei ein Pedant, sagt Gerd Petermeyer über sich. Schon in der Schule habe er es geliebt präzise zu arbeiten. Wer seine Ölbilder betrachtet, der sieht die Selbsteinschätzung des Esseners bestätigt: Petermeyer malt derart deitailverliebt und zeichnet mit seinen hauchdünnen Pinseln die Schattierungen in seinen Schwarz – Weiß – Bildern so genau, dass man schon sehr genau hinsehen muss, um zu erkennen: Das sind keine Fotografien, sondern Ölbilder.

Ebenso wenig wie seine Liebe zur Präzision ist dem Kunsterzieher des Essener Gymnasiums am Stoppenberg der Hang zur Ästhetik abzusprechen. Dabei haben es ihm, was seine Motiv – Wahl angeht, eher die auf den ersten Blick weniger schönen Regionen des  Reviers angetan: Industriebrachen, morbide gründerzeitliche Hausfassaden vom Regen durchtränkte Wirtschaftswege. Während vieler Spaziergänge mit seinem Hund fotografierte er „sein“ Ruhrgebiet. Anfangs blieb es bei den Fotos – Petermeyer hat an der Kunstakademie neben Malerei auch Fotografie studiert. „igendwann reichte mir das bloße Abbild der Realität nicht mehr.“ Der Lehrer besann sich auf sein zweites Standbein: die Malerei, eine Fähigkeit, die er ebenfalls in seinem Studium vervollkommnete. „Ölbilder sind Fotos haushoch überlegen“, sagt er. Der Maler könne Kontraste verstärken, Schwerpunkte setzen, ja, in vielfältiger Weise abstrahieren, Außerdem, erklärte er, stellten Bilder einfach eine größere Herausforderung dar als Fotos. Seit 1989 dienen ihm Fotos darum nur noch als Vorlage.

Nein, sagt Petermeyer, ihm gehe es nicht darum, mit seinen Werken an der Ruhrgebiets – Romantik zu feilen. „Historizität interessiert mich nicht“, sagt er lapidar. Statt dessen wolle er einen „über ästhetische Mittel transportierten Blick nach vorn“ geben.

In der tat spricht aus seinen Bildern nicht der wehmütig – verklärende Blick zurück in die „gute alte Zeit“. Nicht einmal die detailgetreue Wiedergabe eines stolzen Förderturmes erweckt den Eindruck, der Maler wolle das Rad der Geschichte zurückdrehen. Petermeyer liebt den Moment und er liebt die Wirklichkeit.

Neuerdings hat sich der Kunsterzieher auf das Malen von Menschen eingelassen. Schülerinnen standen bereits Modell: Sie saßen auf den Bahngleisen eines alten Industriegeländes. Auf dem Schoß der beiden Mädchen: Currywurst mit Pommes in einer Pappschachtel. Petermeyer ist nicht nur ein Pedant – er ist auch Realist.

Zu sehen sind die Bilder bis zum 29. November in den Räumen der Firma ComplTel in Essen.
 

WAZ, Kultur im Kreis Recklinghausen, 31.01.06

Penibel beobachtet
Essener Maler Gerd Petermeyer schaut aufs Revier

Unter dem Titel „Ruhrgebiet – Landschaft, Schönheit und Magie der Dinge“ präsentiert Gerd Petermeyer seine Werke im Atelier „Espace“ in Datteln. Die Eröffnung findet am 10. Februar, um 19.30 Uhr statt. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich für den Betrachter, dass es sich bei den vermeintlichen Schwarz – Weiß – Fotografien von Gerd Petermeyer um akribisch gemalte Ölbilder handelt. 50 bis 100 Stunden investiert der Essener Künstler in jedes seiner großformatigen Ölbilder.
Die Bilder zeigen Landschaften, Menschen und Relikte des alten Reviers zwischen Ruhr und Emscher. Hier  hat der Künstler die stillen kleinen Industriegebiete für sich entdeckt. Dabei hat er die Wirklichkeit auf wenige Farben reduziert. Bereits während seines Studiums der Malerei und Fotografie an der Kunstakademie in Düsseldorf beobachtete Gerd Petermeyer sehr genau die Atmosphäre des Ruhrgebietes.
Zunächst entstanden fotografische Arbeiten. Doch bald reichten diese begrenzten Möglichkeiten dem Essener nicht mehr aus. Im Laufe seines Schaffens hat Gerd Petermeyer nunmehr eine Bildsprache entwickelt, die zwischen minuziös beobachteter, naturalistischer Darstellung und einem geheimnisvollen Symbolismus schwebt. Die Ausstellung ist bis zum 10. März zu sehen.

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